Hund und Katze im Kino vor einer Leinwand mit der Aufschrift „Großes Kino NfE-Wert“

Niedriger NfE-Wert = gutes Katzenfutter oder Hundefutter? Diese Rechnung geht nicht auf

Ein niedriger NfE-Wert klingt erst einmal gut. Wenig Kohlenhydrate, gutes Futter, Haken dran. Typisches Beispiel für „gefährliches“ Halbwissen.

Vor allem bei Katzenfutter wird gerne mit niedrigen NfE-Werten argumentiert. Aber auch bei Hundefutter wird die Zahl ausgewiesen und teilweise ziemlich prominent präsentiert. Ich habe mir den NfE deshalb einmal genauer angeschaut und zwei tatsächlich erhältliche Nassfutter miteinander verglichen.

Erst einmal: Was bedeuten die analytischen Bestandteile?

Rohprotein, Rohfett, Rohasche, Rohfaser und Feuchtigkeit findest du auf jedem Nassfutter. Das sind Pflichtangaben.

Diese Werte sagen teilweise etwas Anderes aus, als gerne in sie hineininterpretiert wird.

Rohprotein: Die Zahl kennt die Proteinquelle nicht

Der Rohproteinwert gibt an, wie viel Protein (Eiweiß) beziehungsweise stickstoffhaltige Substanz analytisch erfasst wurde.

Woher dieses Protein stammt und welche Qualität es hat, steht dort nicht. Ein Futter kann sein Protein überwiegend aus Muskelfleisch und sinnvollen Organen beziehen. Es können aber auch minderwertige tierische Bestandteile dahinterstecken, die gerne unter Sammelbegriffen wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ verschwinden. Und ein Teil des Proteins kann durchaus pflanzlicher Natur sein.

Rohfett: Auch Fett hat eine Herkunft

Beim Rohfett erfährst du, wie viel Fett analytisch erfasst wurde.

Woher dieses Fett stammt, erfährst du nicht. Es kann ganz natürlich aus den verwendeten Fleischstücken und Organen stammen oder durch zugesetzte Fette und Öle ins Futter kommen. Ob hochwertiges Lebensmittelöl oder billiges Industriefett, unterscheidet der Rohfettwert ebenfalls nicht.

Rohasche: Was wird hier gemessen?

Der Begriff Rohasche ist nicht gerade selbsterklärend.

Um den Wert zu bestimmen, wird eine Futterprobe verbrannt. Übrig bleiben vor allem die enthaltenen Mineralstoffe. Es bedeutet also nicht, dass dem Futter tatsächlich Asche zugesetzt wurde.

Rohfaser: Pflanzliche Bestandteile im Futter

Rohfaser bezeichnet vor allem schwer verdauliche pflanzliche Bestandteile eines Futters. Dazu gehören zum Beispiel Bestandteile aus Gemüse, Kräutern oder anderen pflanzlichen Zutaten.

Allerdings werden bei der Rohfaseranalyse nicht alle Faserbestandteile erfasst. Die FEDIAF weist deshalb darauf hin, dass der über den NfE geschätzte Anteil verdaulicher Kohlenhydrate üblicherweise zu hoch ausfallen kann.

Auch die Cummings School of Veterinary Medicine der Tufts University beschreibt, dass beispielsweise lösliche Faserbestandteile im errechneten NfE landen können.

Quellen:
FEDIAF: Carbohydrate Expert Review
Tufts University: Carb Confusion – Measuring Carbs

Feuchtigkeit: Wasser im Futter

Der Feuchtigkeitswert zeigt, wie viel Wasser beziehungsweise Feuchtigkeit im fertigen Futter enthalten ist.

Fleisch und Organe bestehen von Natur aus zu einem großen Teil aus Wasser. Beim Erhitzen tritt Flüssigkeit aus dem Gewebe aus. Je nach Herstellung kann aber auch zusätzlich Wasser ins Futter kommen.

Futtermittelprobe zur Bestimmung der Analysewerte für den NfE-Wert bei Katzenfutter und Hundefutter

NfE: Ein errechneter Schätzwert

Zur Erinnerung: Die FEDIAF bezeichnet den Wert als Schätzung der verdaulichen Kohlenhydrate. Es handelt sich also nicht um einen exakt gemessenen Kohlenhydratwert.

Berechnet wird der NfE nach dem Differenzprinzip:

100 − Feuchtigkeit − Rohprotein − Rohfett − Rohasche − Rohfaser = NfE

Die Analysewerte werden von 100 abgezogen. Was übrig bleibt, ist der NfE.

Damit haben wir allerdings erst den NfE im Futter, wie es in der Dose steckt. Für die häufig genannten Werte in der Trockenmasse braucht es noch eine zweite Rechnung.

Warum der NfE auf Trockenmasse umgerechnet wird

Wer NfE-Werte verschiedener Katzenfutter oder Hundefutter vergleichen möchte, rechnet sie häufig auf die Trockenmasse um. Der Grund dafür ist der unterschiedliche Wassergehalt.

Nehmen wir ein Futter mit 78 % Feuchtigkeit. Nach Abzug des Wassers bleiben:

100 − 78 = 22 % Trockenmasse

Hat das Futter in der Originalsubstanz einen NfE von 2,1 %, ergibt sich:

2,1 ÷ 22 × 100 = 9,55 % NfE in der Trockenmasse

Damit wird der Wasseranteil aus dem Vergleich herausgerechnet. Zwei Nassfutter mit beispielsweise 78 und 82 % Feuchtigkeit lassen sich so auf derselben wasserfreien Basis gegenüberstellen.

Die Berechnung wird sowohl bei Katzenfutter als auch bei Hundefutter verwendet. Vor allem beim Katzenfutter begegnet einem dabei häufig die Empfehlung, der NfE in der Trockenmasse solle unter 10 % liegen.

Zwei echte Futter im NfE-Vergleich

Was tatsächlich in den beiden Futtern steckt

Ein wichtiger Unterschied vorweg: Bei Futter A beziehen sich die Angaben auf das fertige Futter, bei Futter B auf die Zutaten vor der Verarbeitung. Deshalb steht die jeweilige Grundlage direkt hinter den Zahlen. Man muss bedenken, dass bei Futter B das Wasser herausgerechnet werden müsste, um auf dieselbe Basis wie bei Futter A zu kommen. Ich denke, am Ende enthalten beide wahrscheinlich um die 70 % Fleisch. Da ich es aber nicht ganz genau sagen kann, verwende ich die angegebenen Daten.

Mehr dazu, was beim Erhitzen mit Fleisch und der enthaltenen Flüssigkeit passiert, erfährst du in meinem Artikel zum 99-%-Mythos.

Ich habe bewusst diese Futter gewählt, da Futter B von Futterberatern häufig mit diesem niedrigen Wert beworben wird und Futter A vergleichsweise hoch ist. Beide Futter enthalten die selben Fleischarten.

BestandteilFutter AFutter B
Muskelfleisch 21,30 % nach V.unbekannt
Herz13,49 % nach V.unbekannt
Magen9,94 % nach V.unbekannt
Summe der 344,73 % nach V.66 % vor V.
Leber12,07 % nach V.15 % vor V.
Lunge 5,68 % nach V. 12 % vor V.
Hals8,52 % nach V.–
Strossen–6 % vor V.
Gesamt71 % nach V.99 % vor V.
Stand: September 2026

Bei Futter A wissen wir ziemlich genau, wie sich Fleisch und Innereien zusammensetzen. Bei Futter B werden Muskelfleisch, Herz und Magen dagegen unter 66 % Hühnermuskelfleisch zusammengefasst. Laut Hersteller umfasst diese Bezeichnung neben Skelettmuskelfleisch auch Herz- und Magenmuskel. Wie sich die 66 % tatsächlich aufteilen, weiß kein Mensch.

Einschub: Das sind für mich bereits zwei Minuspunkte für Futter B: keine Angabe der Brühe und keine genaue Aufschlüsselung von Muskelfleisch, Herz und Magen.

Und was hat das mit dem NfE zu tun?

Muskelfleisch, Herz, Leber oder Lunge bringen unterschiedliche Mengen an Protein, Fett und Wasser mit. Je nachdem, was und wie viel davon im Futter steckt, verändern sich auch die Analysewerte.

Und was sagen die Analysewerte?

Schauen wir uns deshalb unsere beiden Futter noch einmal anhand ihrer Analysewerte an.

Futter AFutter B
Feuchtigkeit78 %82 %
Rohprotein10,6 %11 %
Rohfett6,6 %4 %
Rohasche2,3 %2 %
Rohfaser0,4 %0,3 %
NfE in der Trockenmasse9,55 %5 %
Stand: September 2026

Beim Rohprotein liegen die beiden Futter sehr nah beieinander. Deutlicher wird der Unterschied beim Fett: Futter A kommt auf 6,6 %, Futter B auf 4 %. Auch die Feuchtigkeit unterscheidet sich mit 78 und 82 %.

Und der NfE?
Futter A: 9,55 %. Futter B: gerade einmal 5 %.

Wer nur auf einen möglichst niedrigen NfE schaut, würde damit Futter B vorne sehen.

Warum sehen die Analysewerte so unterschiedlich aus?

Ein Blick auf die Zusammensetzung liefert zumindest einen Teil der Erklärung.

Bei Futter A kennen wir den Herzanteil mit 13,49 % im fertigen Futter. Bei Futter B wissen wir dagegen nicht, wie viel Herz sich in den 66 % Hühnermuskelfleisch (vor der Verarbeitung; nach der Verarbeitung sind es deutlich weniger) versteckt.

Auch bei der Leber zeigt sich ein Unterschied: Futter A enthält 12,07 % Leber im fertigen Futter. Bei Futter B sind es 15 % vor der Verarbeitung. Da Leber ebenfalls viel Wasser enthält und bei der Verarbeitung Wasser verliert, liegen die 15 % im fertigen Futter entsprechend niedriger. Wie hoch der Leberanteil nach der Verarbeitung tatsächlich ist, können wir allerdings nicht berechnen.

Das ist für die Analysewerte interessant. Herz und Leber enthalten mehr Fett und weniger Wasser als zum Beispiel Lunge. Lunge ist dagegen sehr wasserreich und fettarm. Bei Futter A kommen außerdem noch 8,52 % Hals hinzu, der je nach enthaltenem Gewebe ebenfalls zusätzlich Fett beisteuern kann. Eine andere Verteilung solcher Zutaten kann also mit dazu beitragen, dass Futter A bei 6,6 % Fett und 78 % Feuchtigkeit landet, Futter B dagegen bei nur 4 % Fett und 82 % Feuchtigkeit.

Wie groß dieser Einfluss tatsächlich ist, können wir nicht berechnen, weil wir den Herzanteil von Futter B und den Leberanteil nach der Verarbeitung nicht kennen. Aber ich vermute aufgrund der Daten, dass insbesondere der Herzanteil deutlich unter dem Anteil von Futter A liegt. Auch beim Leberanteil vermute ich, dass er nach der Verarbeitung unter dem von Futter A liegt.

Vereinfacht gesagt:

Mehr Herz und Leber ➜ NfE kann höher ausfallen.
Weniger Herz und Leber ➜ NfE kann niedriger ausfallen.
Niedrigerer NfE ≠ automatisch hochwertigeres Futter.

Hund und Katze betrachten die analytischen Bestandteile auf einer Futterdose mit Feuchtigkeit, Rohprotein, Rohfett, Rohasche und Rohfaser.

Niedriger NfE und hochwertiges Futter sind zwei verschiedene Dinge

Herz ist für mich eine besonders wertvolle Zutat im Katzenfutter und Hundefutter. Es zählt zwar zum Muskelfleisch, ist aber von den Nährstoffen nicht identisch. Es liefert hochwertiges Protein und natürliches Taurin. Auch Leber ist für mich ein wichtiger Bestandteil einer hochwertigen Zusammensetzung und liefert zahlreiche Nährstoffe. Bei Futter A kennen wir sowohl den Herzanteil als auch den Leberanteil im fertigen Futter und beide liegen vermutlich höher als bei Futter B.

Gutes Katzenfutter: Welche Organe wirklich rein sollten und welche nicht


Gesundes Hundefutter: Welche Organe wirklich rein sollten und welche nicht

Und genau die Zusammensetzung ist für den NfE entscheidend. Denn wenn sich durch die verwendeten Zutaten die Werte für Rohprotein, Rohfett, Rohasche oder Rohfaser verändern, verändert sich auch die Restgröße, die am Ende als NfE übrigbleibt.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Ein Futter kann durch eine andere Zusammensetzung aus Fleisch und Organen einen höheren errechneten NfE haben, ohne dass deshalb tatsächlich mehr Kohlenhydrate enthalten sein müssen.

Eine Rezeptur mit einem höheren Anteil an Zutaten, die ich qualitativ wertvoller einschätze, kann also am Ende sogar mit dem höheren NfE dastehen. Nicht weil sie mehr Kartoffeln, Getreide oder andere Kohlenhydratquellen enthält, sondern weil sich ihre Analysewerte anders zusammensetzen.

Und damit zeigt der direkte Vergleich ziemlich deutlich, wie wenig der NfE über die Qualität eines Futters aussagt: Futter A ist für mich mit 9,55 % NfE deutlich hochwertiger zusammengesetzt als Futter B mit gerade einmal 5 %.

Fazit:

Rohprotein, Rohfett, Rohasche, Rohfaser, Feuchtigkeit und der NfE-Wert sagen so gut wie nichts darüber aus, ob es sich um gutes Katzenfutter und Hundefutter handelt. Der NfE wird gerne herangezogen, um Katzenfutter und Hundefutter zu beurteilen. Aber spätestens, wenn man zwei echte Futter miteinander vergleicht, wird deutlich, warum ein niedriger NfE für mich kein Qualitätsmerkmal ist.

Manchmal lohnt es sich eben doch, eine Zahl nicht einfach hinzunehmen, sondern genauer hinzuschauen. Du bist dir unsicher, wie gut dein aktuelles Katzenfutter oder Hundefutter wirklich zusammengesetzt ist? In meiner kostenlosen Futteranalyse schaue ich mir nicht nur einzelne Analysewerte an, sondern das Futter als Ganzes.

Häufige Fragen:

Was bedeutet der NfE-Wert bei Katzenfutter und Hundefutter?

NfE steht für stickstofffreie Extraktstoffe und wird als Schätzwert für die verdaulichen Kohlenhydrate im Futter verwendet. Der Wert wird allerdings nicht direkt gemessen. Er bleibt rechnerisch übrig, nachdem Feuchtigkeit, Rohprotein, Rohfett, Rohasche und Rohfaser von 100 Prozent abgezogen wurden.

Wie berechnet man den NfE-Wert im Katzenfutter und Hundefutter?

Zuerst wird der NfE in der Originalsubstanz berechnet: 100 − Feuchtigkeit − Rohprotein − Rohfett − Rohasche − Rohfaser = NfE. Anschließend berechnest du die Trockenmasse: 100 − Feuchtigkeit = Trockenmasse. Zum Schluss wird der NfE auf die Trockenmasse umgerechnet: NfE ÷ Trockenmasse × 100 = NfE in der Trockenmasse.

Was ist ein guter NfE-Wert bei Katzenfutter?

Häufig wird empfohlen, dass der NfE in der Trockenmasse bei Katzenfutter unter 10 Prozent liegen sollte. Für mich ist diese Grenze allerdings kein Qualitätsmerkmal. Auch ein Futter aus Fleisch und hochwertigen Organen, ganz ohne Getreide, Kartoffeln oder Gemüse, kann einen vergleichsweise hohen NfE haben. Denn der NfE misst Kohlenhydrate nicht direkt, sondern wird aus den übrigen Analysewerten errechnet. Ein niedrigerer Wert bedeutet deshalb nicht automatisch das bessere Katzenfutter.

Warum wird der NfE-Wert auf die Trockenmasse umgerechnet?

Nassfutter enthalten unterschiedlich viel Wasser. Würde man nur den NfE im fertigen Futter vergleichen, könnten unterschiedliche Feuchtigkeitsgehalte das Ergebnis verzerren. Durch die Umrechnung auf die Trockenmasse wird das Wasser herausgerechnet und die Werte lassen sich auf derselben wasserfreien Basis vergleichen.

Wie wichtig ist der NfE-Wert bei Katzenfutter und Hundefutter wirklich?

Für die Beurteilung der Futterqualität ist der NfE für mich deutlich weniger wichtig als die tatsächliche Zusammensetzung. Entscheidend ist, welche Fleischstücke und Organe verwendet werden, wie transparent sie deklariert sind und welche weiteren Zutaten enthalten sind. Ein niedriger NfE macht aus einer schlechteren Zusammensetzung kein hochwertiges Futter. Umgekehrt kann ein hochwertig zusammengesetztes Futter einen höheren errechneten NfE haben, obwohl keine typischen Kohlenhydratquellen wie Getreide oder Kartoffeln enthalten sind.

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