Homöostase bei Hund und Katze: Das innere Gleichgewicht des Körpers

Homöostase bei Hund und Katze: Warum natürliche Schwankungen im Futter kein Mangel sind

Nur ein Alleinfuttermittel ist bedarfsdeckend? Zumindest wird es so hingestellt. Es wird so getan, als wäre der Körper ein starres System, dass tagtäglich dasselbe braucht, um zu funktionieren. Alles andere würde nur schaden. Leider wird dabei null beachtet, dass der Körper von unseren Hunden und Katzen ein perfekt erschaffenes und natürliches Meisterwerk ist. So wie bei uns Menschen auch.

Jede Portion im Napf soll chemisch möglichst exakt austariert sein. Jedes Vitamin und jeder Mineralstoff muss täglich in derselben berechneten Menge enthalten sein. Denn wenn die Werte schwanken, könnte das Tier angeblich nicht mehr ausreichend versorgt sein. So ein Quatsch.

Die Natur hat ein perfektes Regulationssystem für jeden Körper geschaffen, das genau mit solchen Schwankungen umgehen kann: die Homöostase.

Was Homöostase eigentlich bedeutet

Homöostase ist die Fähigkeit des Körpers, sein inneres Gleichgewicht innerhalb bestimmter Grenzen stabil zu halten. Dazu gehören beispielsweise die Körpertemperatur, der Flüssigkeitshaushalt, der Blutzucker, der pH-Wert und natürlich auch die Konzentration verschiedener Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren usw.

Und das passiert automatisch. Rund um die Uhr. Im Körper laufen ständig unzählige Vorgänge ab, die dafür sorgen, dass dieses innere Gleichgewicht erhalten bleibt.

Homöostase beschreibt eines der grundlegendsten Prinzipien des Lebens. Kein Organ arbeitet für sich allein, keine Körperfunktion steht isoliert neben einer anderen. Alles ist darauf ausgerichtet, ein Gleichgewicht zu erhalten, das dem Organismus ermöglicht, sich an wechselnde Bedingungen anzupassen und dennoch zuverlässig zu funktionieren.

Gesundheit ist kein Fixpunkt, sondern ständig in Bewegung

Gesundheit bedeutet nicht, dass im Körper jeden Tag alles vollkommen identisch abläuft. Das würde es in der freien Natur sowieso nicht. Müssten Hunde und Katzen ihre Nahrung selbst jagen, würden sie nicht jeden Tag identische Nährstoffe zu sich nehmen. Ein gesunder Körper braucht das auch nicht. Er kann und muss sich ständig anpassen können. Das liegt in seiner Natur.

Außerdem ist auch für unsere geliebten Hunde und Katzen nicht jeder Tag gleich. Und somit ist auch der Bedarf unserer Tiere nicht jeden Tag vollkommen identisch. Mal bewegt sich dein Tier mehr, mal weniger. Mal ist es draußen heiß, mal kalt. Auch Alter, Wachstum, Aktivität, die allgemeine Verfassung und auch Stress beeinflussen, was der Körper gerade benötigt. Bei unseren Tieren sowie bei uns.

Was heute genau richtig ist, muss morgen nicht in exakt derselben Menge benötigt werden. Diese Anpassungsfähigkeit ist überhaupt erst die Voraussetzung dafür, dass ein Organismus gesund und lebensfähig bleiben kann.

Ein Körper, der mit jeder kleinen Veränderung überfordert wäre, wäre extrem anfällig. Die Homöostase sorgt dafür, dass genau das nicht passiert.

Hund und Katze im inneren Gleichgewicht trotz wechselnder äußerer Einflüsse
Die Homöostase hilft Hund und Katze, wechselnde Einflüsse auszugleichen.

Wie der Körper Nährstoffe reguliert

Für diese Regulation ist nicht nur ein einzelnes Organ verantwortlich. Im Körper arbeitet ein ganzes Team zusammen.

Der Darm entscheidet mit, wie viel von einem Stoff überhaupt aufgenommen wird. Die Leber verarbeitet, speichert und wandelt Nährstoffe um. Die Nieren kümmern sich um Ausscheidung, Flüssigkeitshaushalt und Elektrolyte. Körpergewebe und Knochen können als Zwischenspeicher dienen. Hormone sorgen im Hintergrund dafür, dass diese verschiedenen Abläufe miteinander funktionieren und nicht jeder sein eigenes Ding macht.

Der Körper wartet also nicht darauf, dass jede Mahlzeit millimetergenau dieselben Werte liefert. Er nutzt das, was ihm zur Verfügung steht, und passt Aufnahme, Speicherung und Ausscheidung an seinen aktuellen Bedarf an.

Überschüsse können zwischengelagert und vorübergehende Engpässe aus den körpereigenen Reserven aufgefangen werden. Genau deshalb führt eine natürliche Schwankung nicht sofort zu einem Mangel oder einer Überversorgung. Ich möchte hier extra nochmal erwähnen, dass ich von natürlichen Schwankungen rede. Bei synthetischen Nährstoffen ist das nämlich nicht so einfach.

Wenn ein normaler Blutwert nicht die ganze Wahrheit zeigt

Wie stark der Körper bestimmte Werte reguliert, sieht man besonders gut am Calciumspiegel im Blut.

Calcium wird nicht nur für stabile Knochen benötigt. Es ist unter anderem auch an der Funktion von Muskeln und Nerven beteiligt. Deshalb versucht der Körper, den Calciumwert im Blut möglichst konstant zu halten.

Wird über das Futter zeitweise weniger Calcium aufgenommen, kann der Organismus auf seine eigenen Reserven zurückgreifen und Calcium aus den Knochen freisetzen. Dadurch kann der Blutwert zunächst weiterhin vollkommen normal aussehen.

Ein normaler Calciumwert bedeutet deshalb nicht automatisch, dass das Futter optimal zusammengesetzt ist. Er kann auch zeigen, dass die Homöostase gerade sehr erfolgreich arbeitet und den Wert trotz einer ungünstigen Versorgung stabil hält.

Das erklärt auch, warum manche Probleme nicht sofort auffallen. Der Körper kann eine Zeit lang ausgleichen, regulieren und auf seine Speicher zurückgreifen. Erst wenn diese Möglichkeiten nicht mehr ausreichen, werden Veränderungen sichtbar.

Die Homöostase ist also beeindruckend. Sie kann aber auch dafür sorgen, dass eine ungünstige Versorgung zunächst unbemerkt bleibt.

Warum Schwankungen in Fleisch und Organen vollkommen normal sind

Nehmen wir zwei Rinderlebern aus demselben Betrieb. Gleiche Rasse, ähnliches Alter und trotzdem kann die eine etwas mehr Vitamin A enthalten als die andere. Genauso wäre es auch in der Natur mit der gejagten Beute. Denn genau das ist einfach die Natur. Und die Natur ist nun mal das Optimale.

Muskelfleisch, Herz, Leber und andere Organe sind natürliche Lebensmittel und keine im Labor hergestellten Produkte. Ihre Werte können je nach Tierart, Fütterung, Haltung, Alter und Beschaffenheit des Rohstoffs schwanken. Mal ist von einem Nährstoff etwas mehr enthalten, mal etwas weniger.

Ich frag mich echt, wie wir so falsch abbiegen konnten, um zu denken, im Labor hergestellte Dinge wären gesünder als die Natur. Hunde und Katzen haben sich, genau wie ihre wilden Vorfahren, schon immer von Nahrung mit schwankenden Nährstoffwerten ernährt.

Fließender Bach zwischen unterschiedlich großen Steinen im Wald
Wie das Wasser seinen Weg immer wieder anpasst, gleicht auch der Körper natürliche Schwankungen fortlaufend aus.

Wie ein einzelner Nährstoff das ganze Gleichgewicht verschieben kann

Ein Vitamin oder Mineralstoff arbeitet nicht vollkommen unabhängig von allen anderen Stoffen. Im Körper hängt vieles miteinander zusammen.

Einige Nährstoffe werden gemeinsam benötigt, andere beeinflussen sich bei der Aufnahme. Manche nutzen dieselben Transportwege und können sich dadurch gegenseitig behindern. Wieder andere wirken als Partner oder Gegenspieler.

Calcium, Phosphor und Magnesium stehen beispielsweise in einem fein abgestimmten Verhältnis zueinander. Auch Zink und Kupfer beeinflussen sich gegenseitig. Wird von einem einzelnen Stoff plötzlich sehr viel zugeführt, kann das Auswirkungen auf andere Nährstoffe haben.

Deshalb reicht es nicht, nur einen einzelnen Wert auf einer Nährwerttabelle zu betrachten. Eine Zahl sagt noch nichts darüber aus, wie dieser Stoff im Körper mit allen anderen Nährstoffen zusammenspielt.

Warum natürliches Futter und Homöostase perfekt zusammenpassen

Ein sinnvoll zusammengesetztes Futter liefert seine Nährstoffe aus Muskelfleisch, geeigneten Organen, Fett und weiteren natürlichen Bestandteilen. Sie liegen dort nicht als voneinander getrennte Einzelstoffe vor, sondern gemeinsam mit Eiweiß, Fett, Mineralstoffen und weiteren Begleitstoffen in ihrem natürlichen Verbund.

Das Futter liefert die Grundlage und die Homöostase übernimmt die Regulation. Für mich sind das zwei Systeme, die perfekt zusammenpassen.

Und genau deshalb sagt die Bezeichnung „Ergänzungsfuttermittel“ allein noch lange nicht, dass einem Futter wichtige Nährstoffe fehlen. Trotzdem verunsichert es viele Tierhalter, wenn sie dieses Wort auf einer Dose lesen. Sofort entsteht die Angst, das eigene Tier könnte nicht ausreichend versorgt sein und man würde ihm mit diesem Futter womöglich schaden. Leider, wird das auch oft von einigen Futterberatern zusätzlich erfolgreich verbreitet. Nicht weil sie das aus Absicht tun, sondern einfach aus totaler Unwissenheit. Oft übernehmen sie auch nur die Aussagen mit denen halt geworben wird.

Dabei liegt der Unterschied bei einem Alleinfuttermittel und einem Ergänzungsfuttermittel häufig darin, dass natürliche Zutaten keine genormten Laborwerte liefern. Ohne eine standardisierte Vitamin- und Mineralstoffmischung lassen sich ihre natürlichen Schwankungen nicht künstlich auf immer dieselben Werte bringen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass eine sinnvoll aufgebaute natürliche Rezeptur unsere Hunde oder Katzen nicht ausreichend versorgen kann. Entscheidend ist nicht allein das Wort auf der Verpackung. Entscheidend ist, ob hochwertiges Muskelfleisch, geeignete Organe und natürliche Nährstoffquellen in sinnvollen Mengen enthalten sind. Und natürlich ist die Art der Verarbeitung genauso wichtig.

Warum synthetische Vitaminmischungen die Homöostase zusätzlich fordern

Eine isolierte Vitamin- und Mineralstoffmischung funktioniert nach einem vollkommen anderen Prinzip als natürliche Zutaten. Sie wird in festgelegten und konzentrierten Mengen zugesetzt, zusätzlich zu den Vitaminen und Mineralstoffen, die ohnehin schon von Natur aus in Fleisch und Organen enthalten sind. Vorausgesetzt es handelt sich um eine schonende Verarbeitung und der richtigen Zusammensetzung und Qualität der Fleischbestandteile. Oft ist allerdings genau das das Problem: Durch die hinzugefügten synthetischen Vitamine und Mineralstoffe kann die eigentliche Zusammensetzung deutlich schlechter sein. Nach meiner Erfahrung ist das viel zu oft der Fall.

Der natürliche Nährstoffverbund fehlt bei diesen zugesetzten Stoffen vollständig. Ein einzelner Stoff gelangt dadurch wesentlich konzentrierter und isolierter in das Futter, als es in einer natürlichen Zusammensetzung der Fall wäre. Dadurch kann sich das Verhältnis zu anderen Nährstoffen verschieben. Auch die Speicherung und Ausscheidung läuft oft nicht identisch wie bei natürlichen Nährstoffen.

Standardisierte Vitamin- und Mineralstoffmischung unterstützt die Homöostase deshalb nicht. Sie fordert sie zusätzlich. Aber ein natürlich schwankender Nährstoff stellt für die Homöostase kein Problem dar. Für solche Schwankungen ist dieses Regulationssystem schließlich gemacht.

Statt ausschließlich natürliche Schwankungen auszugleichen, muss der Körper nun künstlich erzeugte Nährstoffe verarbeiten. Und zwar in einer isolierten und konzentrierten Form, wie sie in der Natur nicht vorkommen würde. Wie sich das bei Vitamin A, Vitamin D3 oder Vitamin E konkret auswirken kann, habe ich in meinem Artikel über zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe ausführlich erklärt.

Natürliche Nährstoffe aus Fleisch und Organen gegenüber isolierten Vitaminen und Mineralstoffen
Natürliche Nährstoffe im Hunde- und Katzenfutter wirken im Verbund.

Wo die Homöostase an ihre Grenzen stößt

Die Homöostase ist kein Freifahrtschein für irgendein beliebiges Futter. Sie gleicht natürliche Schwankungen innerhalb einer sinnvollen Versorgung aus. Mehr aber auch nicht.

Sie kann keine grundsätzlich schlecht aufgebaute Rezeptur dauerhaft geradebiegen. Sie ersetzt weder hochwertiges Muskelfleisch noch geeignete Organe. Und sie kann auch keine extreme und dauerhafte Einseitigkeit einfach so ausgleichen.

„Der Körper kann natürliche Schwankungen regulieren“ bedeutet eben nicht: „Der Körper wird schon jedes beliebige Futter irgendwie ausgleichen.“

Die Homöostase ist ein geniales Werkzeug. Aber sie ist kein Wundermittel gegen schlechte Rezepturen.

Woran du erkennst, ob ein Futter mit dem Körper arbeitet

Ein gesundes Futter arbeitet mit dem Körper zusammen, anstatt ihm zusätzliche Arbeit aufzuhalsen.

Achte deshalb auf:

  • hochwertige und natürliche Zutaten
  • Muskelfleisch als Grundlage
  • geeignete Organe in sinnvollen Mengen
  • natürliche Nährstoffquellen
  • eine kurze und verständliche Zutatenliste
  • eine offene Deklaration
  • eine möglichst schonende Verarbeitung
  • keine lange Liste isolierter Vitamin- und Mineralstoffverbindungen

Die zugesetzten Vitamin- und Mineralstoffverbindungen findest du unter den ernährungsphysiologischen Zusatzstoffen auf der Verpackung.

Ein hochwertiges Futter braucht für mich keine nachträgliche Vitamin- und Mineralstoffkorrektur, sondern eine durchdachte natürliche Zusammensetzung.

Alles rund um synthetische Zusätze inkl. Studien findest du in meinem Artikel „Synthetische Vitamine und Mineralstoffe in Hundefutter und Katzenfutter: Warum sie nicht in hochwertiges Futter gehören“

Wenn du genauer wissen möchtest, welche Organe wirklich sinnvoll sind, findest du das in meinen Artikeln:

„Gesundes Hundefutter: Welche Organe wirklich rein sollten und welche nicht“ und „Gutes Katzenfutter: Welche Organe wirklich rein sollten und welche nicht“

Fazit:

Natürliche Schwankungen im Futter? Für mich kein Grund, sofort einen Mangel zu befürchten. Der Körper unserer Hunde und Katzen besitzt mit der Homöostase ein perfekt geschaffenes Regulationssystem, das genau damit umgehen kann. Natürliches Futter und Homöostase passen deshalb perfekt zusammen. Synthetische Vitamine und Mineralstoffe greifen dagegen zusätzlich in dieses Gleichgewicht ein. Und deshalb sollte man bei einem Alleinfuttermittel lieber zweimal hinschauen.

Falls du dir bei deinem Futter unsicher bist, kannst du gern meine kostenlose Futteranalyse in Anspruch nehmen.

Häufige Fragen:

Was bedeutet Homöostase bei Hund und Katze?

Homöostase ist die Fähigkeit des Körpers, sein inneres Gleichgewicht stabil zu halten. Dazu gehören beispielsweise die Körpertemperatur, der Flüssigkeitshaushalt und die Konzentration verschiedener Nährstoffe. Kleinere Schwankungen in der Ernährung werden dadurch automatisch aufgefangen.

Kann die Homöostase jedes unausgewogene Futter ausgleichen?

Nein. Die Homöostase kann normale Schwankungen innerhalb einer sinnvollen Versorgung ausgleichen. Eine grundsätzlich schlecht aufgebaute Rezeptur, fehlendes hochwertiges Muskelfleisch oder ungeeignete Mengenverhältnisse kann sie nicht dauerhaft korrigieren.

Warum können synthetische Vitaminmischungen die Homöostase stören?

Synthetische Vitamine und Mineralstoffe gelangen isoliert und konzentriert in den Körper. Dadurch können sie anders aufgenommen, gespeichert und ausgeschieden werden, natürliche Nährstoffverhältnisse verschieben und die Aufnahme anderer Stoffe behindern. Besonders fettlösliche Vitamine können sich im Körper anreichern. Die Homöostase wird dadurch nicht unterstützt, sondern muss zusätzlich regulieren, ausgleichen und mögliche Überschüsse verarbeiten.

Wie reguliert der Körper Nährstoffschwankungen?

Dafür arbeiten mehrere Organe zusammen. Der Darm steuert die Aufnahme, die Leber verarbeitet und speichert Nährstoffe, die Nieren regulieren Ausscheidung und Elektrolyte und Hormone koordinieren im Hintergrund die verschiedenen Regelkreise.

Sind schwankende Nährstoffwerte in Fleisch und Organen normal?

Ja, absolut. Eine Leber zum Beispiel enthält nicht jedes Mal exakt dieselbe Menge Vitamin A. Der Nährstoffgehalt hängt unter anderem von Tierart, Fütterung, Haltung und Alter ab. Das ist kein Zeichen schlechter Qualität, sondern vollkommen normal.

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