Viel zu viele Hunde und Katzen bekommen jeden Tag Trockenfutter in den Napf. Auf der einen Seite kann ich das sogar gut nachvollziehen. Es ist einfach. Man kann es stehen lassen, wenn der Hund oder die Katze nicht alles auffrisst. Es wird nicht so schnell schlecht wie eine offene Dose Nassfutter. Irgendwie macht es auch weniger Arbeit. Manche denken auch, dass sie den Zähnen ihrer Tiere damit etwas Gutes tun. Das sind wahrscheinlich einige der häufigsten Gründe. Alles nachvollziehbare Gedanken.
Ich möchte aber auch die andere Seite ansprechen. Denn auch wenn manche Tierärzte Trockenfutter empfehlen, was ich bis heute nicht verstehen kann, hat es für die Gesundheit überhaupt keinen Vorteil. Eher im Gegenteil.
Welche Arten von Trockenfutter gibt es?
Es gibt drei unterschiedliche Arten von Trockenfutter. Am häufigsten wird das Trockenfutter durch Extrusion hergestellt. Dann gibt es kaltgepresstes Trockenfutter. Das entsteht durch deutlich weniger Hitze und gilt somit als schonender. Seltener gibt es dann noch ein halbfeuchtes Trockenfutter. Das hat zwar etwas mehr Feuchtigkeit, aber dafür hat es auch deutlich mehr Konservierungsstoffe. Egal welches dieser Herstellungsverfahren genutzt wird: Trockenfutter bleibt Trockenfutter.
So wird Trockenfutter für Hunde und Katzen meistens hergestellt
Mahlen und Mischen
Für Trockenfutter werden verschiedene Rohstoffe wie Fleisch, Getreide oder Getreideersatz, Fette und Zusatzstoffe verwendet. Diese werden zuerst fein gemahlen und anschließend miteinander vermischt. Von den ursprünglichen Zutaten ist danach nichts mehr zu erkennen.
Extrusion: Hitze, Druck und Dampf
Die entstandene Masse wird unter hohem Druck und mit heißem Wasserdampf durch einen Extruder gepresst. Durch die Öffnungen am Ende bekommt das Trockenfutter seine spätere Form. Danach werden die Kroketten zugeschnitten.
Heißlufttrocknung
Anschließend wird die Masse mit Heißluft getrocknet, bis das Trockenfutter nur noch eine Restfeuchte von 6 bis 12 Prozent hat. Frisches Fleisch besteht dagegen zu 60 bis 75 Prozent aus Wasser. Allein daran sieht man schon, wie weit Trockenfutter am Ende vom ursprünglichen Ausgangsprodukt entfernt ist.
Fett und Aromen zum Schluss
Nach dem Trocknen werden die geschmacksarmen Stückchen mit Fett und Aromen überzogen. Erst dadurch werden sie für Hunde und Katzen überhaupt interessant. Ohne diesen nachträglichen Überzug würden viele Tiere das Trockenfutter vermutlich liegen lassen.
Mit einer gesunden und natürlichen Ernährung hat das fertige Trockenfutter überhaupt nichts mehr zu tun.

Wie viel Fleisch steckt wirklich im Trockenfutter für Hunde und Katzen?
Der angegebene Fleischanteil kann auch beim Trockenfutter täuschen, ähnlich wie beim 99-Prozent-Fleisch-Mythos beim Nassfutter.
Groß mit Fleisch geworben, aber wie viel steckt drin?
Auf vielen Trockenfuttersorten steht zum Beispiel: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, davon 4 % Huhn“. Wie viel echtes Fleisch darin enthalten ist, erfährt man dadurch nicht. Die 4 % sagen nur aus, dass dieser Anteil vom Huhn stammt. Ob dafür Muskelfleisch, Organe oder andere tierische Abfälle verwendet wurden, bleibt offen. Falls noch andere tierische Bestandteile enthalten sind, weiß man weder, von welchen Tieren sie stammen, noch welche Teile verarbeitet wurden. Insgesamt können mehr als 4 % tierische Bestandteile enthalten sein. Die Deklaration verrät aber nicht, ob es tatsächlich mehr sind und wie hoch ihr Gesamtanteil ist.
Auch „mit Huhn“ hört sich nach mehr an, als es ist. Für diese Angabe reichen bereits 4 % vom Huhn aus. Lächerlich, oder? Auf der Verpackung kann also groß mit Huhn geworben werden, obwohl nur ein sehr kleiner Teil des gesamten Futters überhaupt vom Huhn stammt. Und selbst bei diesem kleinen Anteil muss es sich nicht um Muskelfleisch oder hochwertige Organe handeln.
Andere Trockenfuttersorten werben mit einem hohen Frischfleischanteil. Frisches Fleisch enthält viel Wasser, das ihm bei der Herstellung fast vollständig entzogen wird. Deshalb bleibt im fertigen Trockenfutter wesentlich weniger vom eingesetzten Frischfleisch übrig, als die Prozentangabe vermuten lässt. Das ist derselbe Marketingtrick wie bei Nassfutter für Katzen mit 99 % Fleischanteil oder Hundenassfutter mit 94 % Fleischanteil. Hört sich halt besser an.
Wie Getreide in der Zutatenliste nach hinten rutscht
Beim sogenannten Zutatensplitting wird Getreide nicht als eine Zutat angegeben, sondern beispielsweise in Weizen, Weizenkleie und Weizenmehl aufgeteilt. Dadurch fällt der Anteil jeder einzelnen Zutat kleiner aus und sie stehen weiter hinten in der Zutatenliste. Das Fleisch kann dadurch in der Zutatenliste weiter nach vorne rutschen, obwohl die Getreidebestandteile zusammengerechnet einen größeren Anteil ausmachen.
„Tote Masse“ im Napf: warum Trockenfutter künstlich aufgewertet werden muss
Was Hitze, Druck und Lagerung anrichten
Bei der Extrusion wird die Masse, wie gesagt, unter Hitze, Druck und Wasserdampf verarbeitet. Danach folgt die Trocknung mit weiterer Hitze. Bis das Trockenfutter im Napf landet, können außerdem mehrere Monate vergehen. Durch die starke Erhitzung gehen viele der natürlich enthaltenen Vitamine verloren, während Enzyme nahezu vollständig inaktiviert werden. Auch empfindliche Fettsäuren können dabei geschädigt werden. Während der anschließenden Lagerung gehen weitere Nährstoffe verloren. Nach der Verarbeitung bleibt somit eine so gut wie „tote“ Masse übrig. Von der natürlichen Nährstoffqualität der ursprünglichen Zutaten ist nicht mehr viel vorhanden.
Was verloren geht, wird künstlich ersetzt
Nach der Verarbeitung werden Vitamine und Mineralstoffe künstlich zugesetzt. Ohne diese Zusätze würde Trockenfutter wahrscheinlich die notwendigen Nährstoffwerte nicht erreichen. Warum ich diese künstliche Aufwertung kritisch sehe, erkläre ich ausführlich in meinem Artikel über zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe im Tierfutter.
Aromen, Digest und Co.: das Phänomen „Dog Crack“ und „Cat Crack“
Warum das Trockenfutter für Hunde und Katzen plötzlich so unwiderstehlich riecht
Nach dem Trocknen werden die geschmacksarmen Kroketten mit Fett, Aromen und Lockstoffen überzogen. Dabei kann auch sogenanntes Digest eingesetzt werden. Dafür wird tierisches Material mithilfe von Enzymen aufgespalten. Der dadurch entstehende intensive Geruch und Geschmack macht das Trockenfutter für viele Hunde und Katzen besonders interessant.
Gerne gefressen heißt noch lange nicht gesund
Bezeichnungen wie „Dog Crack“ und „Cat Crack“ sind ziemlich eindeutig. In einer Reportage über den Lockstoffhersteller AFB International werden Pyrophosphate sogar als „Cat Crack“ bezeichnet. Crack gehört zu den Drogen mit dem stärksten Suchtpotenzial. Allein dieser Vergleich zeigt, wie extrem die anziehende Wirkung solcher Stoffe eingeschätzt wird. Ein besseres Wort als „Crack“ gibt es dafür kaum. Das dein Hund oder deine Katze das Trockenfutter regelrecht verschlingt, sagt deshalb nichts über dessen Qualität aus.
The Chemistry of Kibble – Popular Science

Der größte Unterschied zur Natur: der Wasserhaushalt
Beutetier und Trockenfutter im Vergleich
Ein Beutetier besteht zu ungefähr 70 Prozent aus Wasser. Trockenfutter enthält dagegen gerade einmal 6 bis 12 Prozent Restfeuchtigkeit. Damit fehlt ihm fast die gesamte Flüssigkeit, die ein Hund oder eine Katze über ihre natürliche Nahrung aufnehmen würde.
Warum Katzen den Wassermangel nicht ausgleichen
Bei Katzen ist der geringe Wassergehalt von Trockenfutter besonders problematisch. Sie stammen von Wüstenbewohnern ab und trinken von Natur aus nur wenig. Den größten Teil ihrer Flüssigkeit nehmen sie normalerweise über ihre Beute auf.
Eine Studie aus dem Jahr 2011 zeigt deutlich, welchen Unterschied die Feuchtigkeit im Futter macht. Bekamen die Katzen das gleiche Futter mit einem Wassergehalt von 73,3 Prozent, nahmen sie insgesamt mehr Flüssigkeit auf, produzierten mehr Urin und ihr Urin war weniger konzentriert als bei der trockenen Variante mit nur 6,3 Prozent Wasser. Trinken allein konnte die fehlende Flüssigkeit im Trockenfutter also nicht ausgleichen.
Studie zum Wasserhaushalt und zur Urinkonzentration bei Katzen
Was konzentrierter Urin für die Katze bedeutet
Je weniger Flüssigkeit eine Katze aufnimmt, desto konzentrierter ist ihr Urin. Dadurch werden Nieren und Harnwege schlechter durchgespült und enthaltene Mineralstoffe liegen in höherer Konzentration vor. Das kann die Entstehung von Kristallen und Harnsteinen begünstigen und den gesamten Harntrakt belasten.
Auch ein möglicher Zusammenhang mit chronischer Niereninsuffizienz wird immer wieder diskutiert. Eine dauerhaft geringe Flüssigkeitsaufnahme und die damit verbundene stärkere Beanspruchung der Nieren können die Entstehung einer Nierenerkrankung begünstigen. Bei einer bereits beginnenden oder bestehenden Niereninsuffizienz wird Trockenfutter noch problematischer, weil es der Katze kaum Flüssigkeit über die Nahrung liefert.
Hunde trinken mehr, gleichen aber nicht alles aus
Hunde haben ein stärker ausgeprägtes Durstgefühl als Katzen und trinken bei Trockenfutter mehr. Das bedeutet aber nicht, dass sie die fehlende Flüssigkeit dadurch vollständig ausgleichen. Mit feuchtem Futter nehmen Hunde insgesamt mehr Wasser auf, obwohl sie weniger aus dem Napf trinken. Bei reiner Trockenfütterung kann die gesamte Flüssigkeitsaufnahme deshalb auch beim Hund niedriger ausfallen.
Gesundheitliche Risiken von Trockenfutter
Kleine Portion, viele Kalorien
Trockenfutter enthält durch den geringen Wassergehalt sehr viele Kalorien auf kleinem Raum. Eine Portion sieht im Napf oft nach wenig aus, liefert aber deutlich mehr Energie als dieselbe Menge Nassfutter. Wird nur ein bisschen zu großzügig gefüttert, nimmt der Hund oder die Katze schnell mehr Energie auf, als tatsächlich verbraucht wird. Übergewicht kann sich dadurch schleichend entwickeln.
Wenn die Verdauung auf Trockenfutter reagiert
Die enthaltene Stärke wird bei der Herstellung stark verarbeitet. Dazu kommen Fette, die während der langen Lagerung oxidieren können, und Stoffe, die durch die starke Erhitzung entstehen. Das kann die Verdauung belasten und sich durch weichen Kot, Blähungen oder wiederkehrende Unverträglichkeiten bemerkbar machen.
Auch die Haut kann auf Trockenfutter reagieren
Trockenfutter kann nicht nur die Verdauung beeinflussen. Eine Studie mit Staffordshire Bullterriern zeigte, dass die Fütterung auch die Genaktivität in der Haut verändert. Bei den roh gefütterten Hunden fanden die Forscher Hinweise auf eine stärkere Immunabwehr der Haut und weniger oxidativen Stress.
In einer weiteren Untersuchung wurde stark verarbeitetes, kohlenhydratreiches Trockenfutter mit einem höheren Risiko für atopische Hauterkrankungen in Verbindung gebracht. Was im Napf landet, kann sich also auch durch Juckreiz, Entzündungen und andere Hautprobleme bemerkbar machen.
Studie zur Genaktivität der Haut und Studie zu Allergie- und Atopiezeichen
Das Märchen mit den sauberen Zähnen
Normales Trockenfutter reinigt keine Zähne. Die Stückchen zerbrechen meistens schon beim ersten Zubeißen. Dadurch entsteht kaum Reibung an der Zahnoberfläche und somit auch keine nennenswerte mechanische Reinigung. Mit echter Zahnpflege hat das nichts zu tun.
Warum Trockenfutter die Zähne nicht automatisch reinigt und was hinter Dental-Trockenfutter steckt, habe ich hier ausführlich erklärt:
Trockenfutter: Das gefährliche Märchen um die Zahngesundheit bei Hund und Katze

Schimmel und Mykotoxine: die dunkle Seite des langlebigen Futters
Trocken heißt nicht frei von Schimmelpilzgiften
Durch den geringen Wassergehalt ist Trockenfutter lange haltbar. Das schützt aber nicht vor Mykotoxinen. Diese Schimmelpilzgifte können bereits über belastete Rohstoffe ins Futter gelangen. Besonders häufig betroffen sind Getreidearten wie Mais und Weizen. Im fertigen Trockenfutter muss kein sichtbarer Schimmel vorhanden sein, damit trotzdem Mykotoxine enthalten sind.
Mykotoxine wurden mehrfach nachgewiesen
In einer Untersuchung von 2015 wurden verschiedene Mykotoxine in extrudiertem Hundefutter gefunden. Eine weitere Studie wies sie 2019 auch in extrudiertem Katzenfutter nach. Bei vielen Proben wurden sogar mehrere Mykotoxine gleichzeitig gefunden. Für eine weitere Untersuchung wurden 34 verschiedene Hundetrockenfutter auf sechs Gruppen von Mykotoxinen untersucht. Auch darin wurden mehrere dieser Schimmelpilzgifte nachgewiesen.
Studie zum Hundetrockenfutter von 2015 / Studie zum Katzentrockenfutter von 2019 / Weitere Studie zum Hundetrockenfutter 2022
Aflatoxine führten bereits zu Rückrufen und Todesfällen
In den USA wurde Trockenfutter wegen zu hoher Aflatoxinwerte zurückgerufen. Zuvor waren Hunde nach dem Verzehr erkrankt und teilweise daran gestorben. Aflatoxine können unter anderem die Leber schwer schädigen.
Die Hitze beim Extrudieren reicht nicht aus
Mykotoxine sind vergleichsweise hitzestabil. Durch die hohen Temperaturen bei der Extrusion werden sie nicht zuverlässig zerstört. Sind bereits die verwendeten Rohstoffe belastet, können die Gifte deshalb auch noch im fertigen Trockenfutter stecken.
Nach dem Öffnen kommen weitere Probleme dazu
Dringt Feuchtigkeit in einen geöffneten Sack ein, kann sich zusätzlich Schimmel bilden. Bei langer oder falscher Lagerung können außerdem die aufgesprühten Fette ranzig werden.
Getreidefrei und Premium: Was hinter den Versprechen steckt
Getreidefrei heißt nicht fleischreich
Steht auf einem Trockenfutter „getreidefrei“, bedeutet das erst einmal nur, dass kein Getreide enthalten ist. Über den Fleischanteil sagt diese Angabe überhaupt nichts aus. Statt Getreide stecken dann häufig Kartoffeln, Erbsen oder andere Hülsenfrüchte im Futter. Die pflanzlichen Füllstoffe werden also lediglich ausgetauscht.
Ein teurer Trockenfutter-Sack macht noch kein besseres Futter
Ein hoher Preis und eine schicke Verpackung sagen weder etwas über den Fleischanteil noch über die Qualität der Zutaten aus. Auch ein teures Premiumfutter wird stark verarbeitet und enthält kaum Feuchtigkeit. Daran ändert auch der schönste Sack nichts.
Fazit:
Trockenfutter landet bei vielen Hunden und Katzen ganz selbstverständlich jeden Tag im Napf. Dabei wissen die wenigsten, wie es hergestellt wird und was sich hinter den Angaben auf der Verpackung tatsächlich verbirgt.
Warum ich Trockenfutter weder meinem Hund noch meinen Katzen in den Napf geben würde, dürfte nach diesem Artikel klar sein.
Du willst wissen, was tatsächlich im Futter deines Hundes oder deiner Katze steckt? Dann melde dich gern. Ich analysiere dir kostenlos dein Futter und sage dir ehrlich, was ich davon halte.
Weiterführende Artikel:
Hunde: 33 Gründe gegen Trockenfutter für Hunde: Diese Liste solltest du kennen
Katzen: 33 Gründe gegen Trockenfutter für Katzen: Diese Liste solltest du kennen
Häufige Fragen:
Trockenfutter ist stark verarbeitet, enthält kaum Feuchtigkeit und wird nachträglich mit Vitaminen, Mineralstoffen, Fett und Aromen aufgewertet. Für mich hat es deshalb mit einer gesunden und natürlichen Ernährung nichts zu tun.
Katzen trinken von Natur aus wenig und nehmen den größten Teil ihrer Flüssigkeit normalerweise über ihre Nahrung auf. Den fehlenden Wassergehalt im Trockenfutter gleichen sie durch zusätzliches Trinken meist nicht vollständig aus.
Hunde können mit Trockenfutter zwar überleben, gesund und natürlich ist diese Form der Ernährung für mich trotzdem nicht. Auch Hunde nehmen mit feuchtem Futter insgesamt mehr Flüssigkeit auf.
Normales Trockenfutter reinigt die Zähne nicht. Die Kroketten zerbrechen meistens beim ersten Zubeißen und erzeugen kaum Reibung an der Zahnoberfläche.
Getreidefrei bedeutet nicht automatisch fleischreich oder hochwertig. Häufig wird das Getreide lediglich durch Kartoffeln, Erbsen oder andere Hülsenfrüchte ersetzt.






