Hoher Fleischanteil bei Katzenfutter. Hoher Fleischanteil bei Hundefutter. 99 % Mythos. 94 % Mythos

Hoher Fleischanteil im Katzenfutter und Hundefutter: Der 99 % Mythos

94 % Fleischanteil im Hundefutter oder sogar 99 % Fleischanteil im Katzenfutter. Du denkst, das ist perfekt? Ja, dachten wir auch mal. Oft genug hören wir auch von anderen Tiereltern: „Aber dieses Futter hat doch einen sehr hohen Fleischanteil. Das ist doch viel besser?“ Leider ist diese Illusion sehr hartnäckig.

Denn viele denken, wenn auf einer Dose 99 % Fleisch steht und auf der anderen nur 70 %, scheint die Sache eigentlich klar zu sein. Mehr Fleisch = besseres Futter. So einfach ist es aber nicht.

Denn 94 % oder 99 % Fleisch müssen am Ende nicht automatisch mehr Fleisch bedeuten als beispielsweise 70 %. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht.

Was steckt wirklich hinter der Zahl auf der Dose?

Der Begriff „hoher Fleischanteil“ klingt eindeutig. Ist er aber nicht.

Wenn auf einem Katzenfutter „99 % Fleisch“ oder bei einem Hundefutter „94 % Fleisch“ steht, würde vermutlich kaum jemand darüber nachdenken, was mit diesem hohen Fleischanteil eigentlich genau gemeint ist. Eher denkt man sich, „Ja, so viel Fleisch. Das Futter ist gut.“ Doch um zu verstehen, was hinter diesen 94 % oder 99 % steckt, muss man sich anschauen, was während der Herstellung mit dem Fleisch passiert.

Was in der Produktion wirklich passiert

Was übrig bleibt, wenn das Fleisch gegart ist

Für Nassfutter werden die eingesetzten tierischen Bestandteile verarbeitet und erhitzt. Dabei verändert sich das Fleisch. Rohes Fleisch enthält je nach Fleischart, Teilstück und Fettgehalt etwa 60 bis 75 % Wasser. Beim Erhitzen zieht sich das Gewebe zusammen und ein Teil dieser Flüssigkeit tritt zusammen mit gelösten Bestandteilen aus dem Fleisch aus.

Genau diese Flüssigkeit enthält neben Wasser unter anderem gelöste Eiweiße, Mineralstoffe und Geschmacksstoffe aus dem Fleisch. Im Prinzip entsteht dadurch Fleischsaft beziehungsweise Fleischbrühe mit wertvollem Inhalt.

Im fertigen Nassfutter bestehen die ursprünglich eingesetzten 94 oder 99 % also nicht mehr ausschließlich aus dem gegarten Fleischgewebe. Ein Teil davon befindet sich als ausgetretene Flüssigkeit beziehungsweise Fleischbrühe im Futter.

Was von den 94 % bzw. 99 % nach dem Garen übrigbleibt

Nehmen wir ein ganz einfaches Beispiel mit bewusst vereinfachten Zahlen. Denn wie viel Flüssigkeit beim Garen austritt, kann je nach Art (Muskelfleisch oder bestimmte Organe) und Beschaffenheit des Fleisches variieren.

Ein Hersteller verwendet für 100 Gramm Nassfutter 99 Gramm rohes Hühnerfleisch und 1 Gramm weitere Zutaten. Auf Basis der eingesetzten Rohstoffe sind das tatsächlich 99 % Hühnerfleisch. Soweit ist die Angabe also vollkommen nachvollziehbar.

Dann wird das Futter erhitzt. Und dabei passiert etwas, das wir alle vom Kochen kennen: Das Fleisch verändert sich, das Gewebe zieht sich zusammen und ein Teil der enthaltenen Flüssigkeit tritt aus. Nehmen wir vereinfacht an, von den ursprünglich 99 Gramm rohem Hühnerfleisch entfallen nach dem Garen ungefähr 70 Gramm auf das gegarte Fleischgewebe. Rund 29 Gramm befinden sich anschließend als ausgetretene Flüssigkeit beziehungsweise Fleischsaft / Brühe im Futter.

Und genau hier liegt der Unterschied zwischen der Zahl auf der Dose und dem, was viele Tierhalter darunter verstehen.

Wenn man „99 % Fleisch“ liest, denkt man erstmal: In dieser Dose sind 99 % Fleisch. Man denkt meistens nicht daran, dass sich ein Teil dieser ursprünglichen Fleischmenge während der Verarbeitung verändert und Flüssigkeit aus dem Fleisch austritt. Und damit kann ein Futter mit beispielsweise 70 % offen deklarierten Fleisch am Ende sogar mehr tatsächliches Fleischgewebe enthalten als eins, das mit 94 % oder 99 % wirbt.

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Beim Garen tritt Flüssigkeit aus dem Fleisch aus
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Einschub: Was ist mit Trockenfutter mit hohem Fleischanteil?

Auch bei Trockenfutter wird gerne mit einem besonders hohen Fleischanteil geworben. Viele suchen auch gezielt nach Trockenfutter mit hohem Fleischanteil. „60 % frisches Geflügel“. Das hört sich erstmal nach richtig viel Fleisch an. Dabei darf man aber wieder nicht vergessen, dass frisches Fleisch zu einem großen Teil aus Wasser besteht. Bei der Herstellung von Trockenfutter wird nahezu die gesamte Flüssigkeit entzogen. Von den ursprünglich eingesetzten 60 % frischem Geflügel bleiben im fertigen Trockenfutter deshalb nicht einfach 60 % Fleisch übrig. Die tatsächliche Fleischmenge fällt nach dem Wasserentzug massiv geringer aus.

Hinzu kommt, dass Trockenfutter Bindemittel und kohlenhydratreiche Zutaten benötigt, damit die Kroketten überhaupt ihre Form behalten. Dafür werden beispielsweise Kartoffeln oder Erbsen eingesetzt. Auch die Aufschrift „getreidefrei“ bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Trockenfutter ohne solche Zutaten auskommt. Ich halte auf Grund von der Zusammensetzung Trockenfutter nicht für artgerecht.

Ist Trockenfutter ungesund für Hunde und Katzen? Fakten statt Werbeversprechen

Die Grauzone bei der Brühe

Brühe ist nicht das Problem – das hier schon

Manche Hersteller geben die entstandene Brühe beziehungsweise Flüssigkeit separat an, andere rechnen sie weiterhin dem eingesetzten Fleisch zu. Auf der Dose kann dadurch bei einem Futter ein deutlich höherer Fleischanteil stehen, obwohl es am Ende doch aufs selbe herauskommt. Nämlich Fleisch und Brühe. Bloß jetzt kann man verschiedene Futter schlechter vergleichen. Für mich gehört deshalb zu einem wirklich hochwertigen Futter auch eine offene und nachvollziehbare Deklaration. Ich möchte nicht nur wissen, wie viel Fleisch ursprünglich eingesetzt wurde, sondern auch nachvollziehen können, wie sich das Futter zusammensetzt, das am Ende in der Dose landet. Ich will Transparenz.

Ein Hersteller, der die komplette Zusammensetzung inkl. Brühe offen ausweist, schafft für mich genau diese Transparenz. Und dadurch kann man auch wesentlich besser einordnen ob es sich um gutes Futter handelt, anstatt sich einfach von der größten Zahl auf der Dose beeindrucken zu lassen.

Zwei Futterdosen zeigen unterschiedliche Angaben und können doch dasselbe sein. 99 % Fleisch gegenüber Fleisch und Brühe
99 % Fleisch oder 70 % Fleisch und 29 % Brühe. Ist es dasselbe?
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Die unbequeme Wahrheit hinter dem Versprechen

Warum wir alle erstmal auf die große Zahl schauen

Ganz ehrlich: Mir ging es genauso. Wenn ich früher zwei Futtersorten vor mir gehabt hätte und auf der einen hätte 70 % und auf der anderen 99 % Fleisch gestanden, hätte ich wahrscheinlich nicht lange überlegen müssen. Hoher Fleischanteil ist perfekt. 94 % oder 99 % klingt auch definitiv besser. Mehr Fleisch, weniger unnötiger Rest, also muss das Futter hochwertiger sein. Nur funktioniert die Beurteilung eines guten Futters leider nicht so einfach.

Eine große Prozentzahl vermittelt uns sofort das Gefühl, besonders viel Fleisch und damit etwa besonders artgerechtes Futter zu kaufen. Und genau das, ist auch meiner Meinung nach, die Marketingstrategie dahinter. Es hört sich einfach toll an und gibt ein gutes Gefühl. Ob es sich um gutes oder schlechtes Futter handelt, erkennt man daran allerdings noch lange nicht.

Legal, aber fair? Das ist eine andere Frage

Viele hohe Fleischanteil-Angaben sind nicht automatisch falsch, nur weil sie beim Verbraucher einen anderen Eindruck erwecken können.

Wenn ein Hersteller einen entsprechend hohen Anteil tierischer Rohstoffe eingesetzt hat, dann wurde dieser Rohstoff schließlich tatsächlich verwendet. Trotzdem finde ich die Art, wie mit solchen Zahlen geworben wird, teilweise fragwürdig. Denn die wenigsten Menschen beschäftigen sich erst mit Herstellungsprozessen und Futtermittelkennzeichnung, bevor sie eine Dose Katzenfutter oder Hundefutter kaufen.

Sie sehen: 94 % oder 99 % Fleisch. Und verstehen: Da sind 99 % Fleisch drin. Also muss das besser sein als das Futter mit 70 %. Genau dieser Schluss funktioniert aber nicht. Und ja, mich persönlich nervt es, wenn mit einer Zahl geworben wird, von der man ziemlich genau weiß, welche Vorstellung sie beim Käufer auslöst. Und das obwohl man durch diese Zahl allein die Qualität des Futters überhaupt nicht beurteilen kann.

Was wirklich zählt, wenn du ein Futter beurteilst

Für mich beginnt gutes Futter nicht bei einer möglichst großen Zahl auf der Vorderseite, sondern bei der Deklaration auf der Rückseite. Mein Tipp: Achte lieber auf eine offene Deklaration, bei der jede Zutat aufgelistet ist, als auf die reine Marketing-Zahl vorne auf der Dose.

Fleisch ist nicht gleich Fleisch. Es macht einen Unterschied, ob ein Futter in sinnvoller Menge hochwertiges Muskelfleisch, Herz und andere sinnvolle Organe enthält oder eben nicht. Das ist für mich tausendmal wichtiger. Beim Hund, sowie bei der Katze.

Genauso wichtig finde ich die Herkunft der Rohstoffe und Informationen darüber, wie das Futter hergestellt wird. Je genauer ein Hersteller offenlegt, was er verwendet und wie sein Futter zusammengesetzt ist, desto besser kann ich selbst beurteilen, was am Ende im Napf landet.

Natürlich ist mir deshalb der Fleischanteil nicht plötzlich egal. Gerade bei Katzen spielt Fleisch in der Ernährung eine entscheidende Rolle. Aber ich schaue eben nicht nur darauf, wie groß die Prozentzahl auf der Dose ist.

Hoher Fleischanteil: 99-%- und 94-%-Mythos bei Katzenfutter und Hundefutter – Fokus auf offene Deklaration und Brühe.
Nicht die höchste Prozentzahl entscheidet
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Fazit:

94 % oder 99 % Fleisch? Für mich heute kein Grund mehr, sofort begeistert zu sein. Denn eine beeindruckende Zahl ist schnell gelesen. Was wirklich dahinter steckt, ist eine ganz andere Geschichte. Und genau deshalb lohnt es sich bei solchen Versprechen genauer hinzuschauen. Glaubst du noch an diesen Mythos? Falls du dir bei deinem Futter Unterstützung wünschst, kannst du gern meine kostenlose Futteranalyse in Anspruch nehmen.

Häufige Fragen:

Sind 99 % Fleisch automatisch besser als 70 % Fleisch?

Nein. Der Unterschied kann hauptsächlich in der Deklaration liegen. Bei den 99 % wird das Fleisch vor der Verarbeitung angegeben, während bei beispielsweise 70 % Fleisch die beim Garen entstandene Brühe separat ausgewiesen wird. Die beiden Prozentangaben lassen sich deshalb nicht einfach miteinander vergleichen.

Bedeutet 99 % Fleischanteil, dass im fertigen Futter wirklich 99 % Fleisch enthalten sind?

Nein, nicht in der Form, wie man es sich bei dieser Angabe vorstellt. Der Fleischanteil bezieht sich auf die eingesetzten Rohstoffe. Beim Erhitzen tritt Flüssigkeit aus dem Fleisch aus, sodass sich das fertige Futter aus gegartem Fleischgewebe und dieser Flüssigkeit zusammensetzt.

Wie hoch sollte der Fleischanteil bei Katzenfutter oder Hundefutter sein?

Der Fleischanteil ist wichtig. Für mich sind etwa 65 % beim Hund und mindestens 70 % bei der Katze eine gute Orientierung. Lieber mit separat ausgewiesener Brühe als eine schwammige Angabe wie „99 % Fleisch“. Und genauso wichtig: Welches Fleisch steckt überhaupt hinter dieser Prozentzahl?

Ist Fleischbrühe im Katzenfutter oder Hundefutter schlecht?

Nein. Brühe beziehungsweise die beim Garen austretende Flüssigkeit ist nicht schlecht. Sie enthält neben Wasser auch gelöste Eiweiße, Mineralstoffe und Geschmacksstoffe aus dem Fleisch. Gerade bei Katzen ist Flüssigkeit im Nassfutter außerdem wichtig, da sie einen erheblichen Teil ihres Flüssigkeitsbedarfs über die Nahrung aufnehmen.

Warum geben manche Hersteller die entstandene Fleischbrühe separat an und andere nicht?

Beim Garen tritt Flüssigkeit aus dem Fleisch aus. Manche Hersteller weisen diese entstandene Fleischbrühe beziehungsweise Flüssigkeit transparent separat aus. Andere rechnen sie weiterhin dem ursprünglich eingesetzten Fleisch zu und können dadurch mit einem entsprechend hohen Fleischanteil wie 94 % oder 99 % werben.

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